Wolfgang Meiser & Ulrich Meiser

Interview mit Herrn Wolfgang Meiser und Herrn Ulrich Meiser

Menschen zu finden, die Ideen umsetzen, ist die schwierigste Aufgabe.

 

Sie leiten MEISER in der zweiten Generation. Setzen Sie mehr auf Kontinuität oder auf Wandel?

Ulrich Meiser: Es ist wichtig, Kontinuität und Wandel als gleich wichtig zu betrachten.

Wolfgang Meiser: Durch den Charakter der Personen wird es automatisch einen Wandel geben, wir unterscheiden uns schon von unserem Vater. Gleichzeitig hat er das Fundament geschaffen, um weiteres Wachstum zu ermöglichen.

 

Sie führen MEISER weiter in die Internationalisierung. Wo gehen die nächsten Schritte hin?

Wolfgang Meiser: Wir schauen uns Märkte an, wo wir nicht präsent sind, das sind z. B. die USA, Indien und China, wobei man die jeweils aktuellen Entwicklungen anschauen muss. Wir gehen dorthin , wo wir für uns ein Erfolg versprechendes Geschäftsmodell sehen.

 

Ist es schwierig, Leute dafür zu finden?

Ulrich Meiser: Das ist tatsächlich die Hauptschwierigkeit, Menschen zu gewinnen, mit denen wir diese Pläne umsetzen können. Gebäude und Maschinen kann man bauen und kaufen, Menschen zu finden, die eigene Ideen haben und umsetzen, ist die schwierigste Aufgabe.

Wolfgang Meiser: Die stabile Konjunktur in Deutschland ist grundsätzlich sehr positiv, macht es aber auch schwieriger, qualifizierte Mitarbeiter für ländliche Standorte wie Limbach und das Vogtland zu begeistern.

 

„Wir pflegen eine sehr familiäre Atmosphäre und haben einen persönlichen Draht zu den Führungskräften.“ Ulrich Meiser

Hilft Ihnen die MEISER Philosophie dabei?

Ulrich Meiser: Wir pflegen eine sehr familiäre Atmosphäre und haben einen persönlichen Draht zu den Führungskräften. Wir sind nicht anonym, sondern für alle erreichbar. Dadurch gelingt es uns, Mitarbeiter für unser Unternehmen zu begeistern und dauerhaft im Unternehmen zu halten.

 

Was machen Sie, um neue Mitarbeiter zu finden?

Wolfgang Meiser: Wir nutzen vor allem persönliche Kontakte, um potenzielle Mitarbeiter anzusprechen, daneben natürlich auch die üblichen Medien. Wichtig ist, dass die Person zu MEISER und damit zu unserer Philosophie und Unternehmenskultur passt. Fachliche Qualifikationen kann man leichter entwickeln als Zuverlässlichkeit und Gewissenhaftigkeit.

Ulrich Meiser:  Ausbildung und Förderung junger Mitarbeiter spielen für uns eine wichtige Rolle. Wir haben eine hohe Ausbildungsquote im Unternehmen, wobei auch unser BA-Studium eine wichtige Rolle spielt. Schon einige BA-Studenten haben diese duale Ausbildung als Sprungbrett für eine Karriere bei MEISER genutzt. Das hat sich für uns insgesamt als sehr gutes Modell erwiesen, um mittel- und langfristig Führungskräfte aus den eigenen Reihen aufzubauen.

 

Welche Rolle hat MEISER im Weltmarkt heute?

Wolfgang Meiser: Der Gitterrostmarkt ist und bleibt ein Nischenmarkt. Man kann sagen, dass MEISER einer der größten Anbieter für Gitterroste ist, vielleicht sogar der größte. Das ist für uns per se aber kein erstrebenswerter Titel oder besonderer Hauptansporn.

Wir wissen genau, in welchen Regionen wir noch nicht präsent sind, als Global Player sehen wir uns selbst noch nicht. Wir sind auf einem guten Weg, aber eine gewisse Demut und vor allem Bodenständigkeit sind immer angebracht. Selbstverständlich sind wir stets offen für neue Produkte und unternehmerische Herausforderungen.

 

Also ist Diversifizierung wichtig?

Ulrich Meiser: Absolut. Diversifizierung ist ein wichtiger Bestandteil unseres Handelns. Artverwandte und neue Produkte zu finden, hat sich als Erfolgsmodell herausgestellt. Natürlich bleibt der Gitterrost unser Kernprodukt, aber es macht Sinn, nicht nur auf eine Karte zu setzen, sondern mehrere Standbeine zu haben, um Volatilitäten der Märkte und Konjunkturschwankungen auszugleichen.

 

„Gitterroste bleiben das Kernprodukt von MEISER. Die Wachstums- und Entwicklungsmöglichkeiten sind weltweit noch enorm. Wir wollen unsere führende Position verteidigen und ausbauen.“ Wolfgang Meiser

Wie geht die Unternehmensentwicklung von MEISER in den nächsten Jahren weiter?

Wolfgang Meiser: Wir haben natürlich eine Vorstellung über die Entwicklung der kommenden Jahre und verfolgen dabei immer auch konkrete Projekte. Dennoch sind wir in unseren Planungen nicht sehr detailorientiert und eine Budgetierung erfolgt nur grob. Das Gitterrostgeschäft kann sich innerhalb eines Jahres stark verändern, und darauf haben wir uns eingestellt. Für uns steht ein kontinuierliches, organisches Wachstum in den nächsten Jahren im Vordergrund. Wir sind aber auch Zukäufen nicht abgeneigt, wenn sich die Gelegenheit dazu ergibt. Wir stehen auf einer stabilen finanziellen Basis. Wir gehen keine Abenteuer ein zu Lasten der finanziellen Stabilität.

 

Die Philosophie von MEISER gilt global?

Ulrich Meiser: Auf jeden Fall. Unsere Werte werden wir in keinem Fall für ein schnelleres Wachstum aufgeben.

 

Wie würden Sie die Philosophie beschreiben?

Ulrich Meiser: Ich benutze den Begriff familiär, aber auch leistungsorientiert und zielstrebig.

Wolfgang Meiser: Fordernd, langfristig orientiert, gepaart mit Freiraum und Eigenverantwortung für die Mitarbeiter.

 

Können Familienunternehmen etwas besser als andere Gesellschaftsformen?

Ulrich Meiser: Familienunternehmen sind sehr viel flacher in der Hierarchie. Entscheidungen können wir viel schneller treffen, wenn es sein muss, auch von heute auf morgen. Das ist auch unser Faustpfand, um Mitarbeiter für uns zu begeistern. Wir können ihnen viel mehr Freiraum geben als Konzerngesellschaften.

 

Also auch mehr Verantwortung?

Wolfgang Meiser: Wenn jemand eine gute Idee hat, die er plausibel darlegen kann und die Erfolg verspricht, kann er diese auch verantwortlich umsetzen, in einem gewissen Rahmen auch sehr unbürokratisch.

 

Es herrscht ein Klima des Vertrauens. Auch in den Kundenbeziehungen.

Wolfgang Meiser: Das streben wir selbstverständlich an. Kunden sehen uns immer mehr als Partner. Große Projekte üben selbstverständlich einen gewissen Reiz aus, und wir kämpfen auch um diese Geschäfte. Im Tagesgeschäft wollen wir unsere Kunden durch Zuverlässigkeit und persönlichen Service begeistern. Nur so schafft man eine langfristige Kundenbindung.

 

Wie sehen Sie die soziale Verantwortung des Unternehmens?

Wolfgang Meiser: Zunächst sind wir als großer Arbeitgeber in einer sehr ländlichen Umgebung grundsätzlich in der Verantwortung. Unsere Wurzeln sind im Saarland und im Vogtland, wir geben ein klares Bekenntnis zu diesen beiden Standorten in Deutschland ab. Wir stehen zu unseren Mitarbeitern und ihren Familien, zu deren Know-how und ihrer Erfahrung. Soziale Verantwortung außerhalb des Unternehmens zeigen wir  durch Unterstützung vieler kleiner und großer Projekte im religiösen und kulturellen Umfeld.

Ulrich Meiser: Es ist auch unsere Philosophie, nicht zu sehr auf die Außendarstellung zu achten. Dass wir das Flüchtlingsheim in Lebach ausstatten, das Kloster Tholey unterstützen etc. ist uns in der Sache wichtig, nicht in der Darstellung nach außen.

 

Welche Vision haben Sie für MEISER?

Ulrich Meiser: Wir sind heute dreimal so groß wie vor 15 Jahren. Dieses Wachstum erfordert auch eine Konsolidierung nach innen, damit wir flexibel und leistungsfähig bleiben. Das internationale Industrieunternehmen MEISER soll im Einklang sein mit der familiären christlichen Werteorientierung. MEISER wollen wir international noch  präsenter machen.

Wolfgang Meiser: Die ganze Mannschaft muss erfahrener werden, noch mehr unternehmerisches Denken entwickeln. Das Wachstum möchten wir auf mehr Schultern verteilen. Wir sind offen für eine weitere Diversifikation, schließen dabei auch ein Engagement in einem gänzlich neuen Umfeld nicht aus. Am liebsten bewegen wir uns jedoch in unserem bekannten Stahl-Umfeld.