Edmund Meiser

Interview mit Herrn Edmund Meiser

Vorbild sein. Das ist entscheidend.

 

Herr Meiser, Sie blicken auf über 60 Jahre Unternehmensgeschichte zurück. Was war damals für Sie der Auslöser, ein Unternehmen zu gründen?

Edmund Meiser: Mit 18 Jahren habe ich die kaufmännische Prüfung absolviert. Ich habe mir damals schon vorgenommen, eines Tages selbstständig zu sein, frei und unabhängig. Durch meine Tätigkeit in der Sandgrube bekam ich Kontakte zur Hütte. Die Hütte lieferte Sechskantstäbe für den Steinbruch, da wir keinen Bohrer hatten, um Sprenglöcher zu machen.

Die Nachfrage nach Baumaterial war in den 50er Jahren sehr groß und wurde immer größer. Ich bekam eine Sondergenehmigung, schon vor der Volljährigkeit mit 21 Jahren meinen Sprengmeister zu machen. Mit dem Sprengen habe ich dann viel Geld verdient, allein mit dem Abriss einer Kirche innerhalb von nur zwei Wochen eine Million Französische Francs. Mit diesem Geld habe ich meine erste Maschine zur Betonstahlverarbeitung gekauft. Stahl war damals sehr gefragt, besonders Betonstahl. Geliefert haben wir überwiegend in die Bundesrepublik. Dann ist die Hütte an mich herangetreten, weil in der Stahlproduktion viel Bandeisen quasi als Nebenprodukt entstand und man dafür Abnehmer suchte. Daraufhin habe ich eine Maschine bei der Fa. Georg für 30.000 Mark gekauft, um dieses Bandeisen zu richten und an Schlosser als Stabmaterial zu verkaufen.  

Als die Maschine nach einem Jahr geliefert wurde, gab es in der Hütte kein Bandeisen mehr. Ich habe aus der Not eine Tugend gemacht und herausgefunden, dass in der Gitterrostproduktion Bandstahl verwendet wird. Nach einem Besuch bei der Fa. STEB in Stuttgart, die damals in der Gitterrostbranche einen guten Ruf hatte, habe ich dann beschlossen, das Thema Gitterroste intensiver anzugehen.

Einige Jahre später haben wir dann eine eigene Verzinkerei in Angriff genommen. Dies war erforderlich, weil es in der Umgebung nur eine Verzinkerei in Saarlouis gab, allerdings mit sehr langen Wartezeiten.

 

Worauf führen Sie das kontinuierliche und schnelle Wachstum von MEISER zurück?

Edmund Meiser: Man muss ein Ziel haben, fleißig und sparsam sein. Man muss sich umschauen, Weitblick haben, sehen, wo der Bedarf ist.

„Alle zehn Jahre kam eine grundlegende Veränderung. Man muss dann die Zeichen der Zeit erkennen.“

 

Wie sehen Sie das kontinuierliche Wachstum der letzten Jahrzehnte, was hat sich dadurch verändert?

Edmund Meiser: Alle zehn Jahre kam eine grundlegende Veränderung. Man muss dann die Zeichen der Zeit erkennen. Wir haben oft während einer Rezession investiert, weil es dann in der Regel günstiger ist. Und wenn es dann wieder aufwärts ging, waren wir dabei.

 

Sie haben bei MEISER eine Unternehmenskultur geschaffen und vermittelt. Wie ist das gelungen und was zeichnet Unternehmertum für Sie heute aus?

Edmund Meiser: Vorbild sein, das ist entscheidend. Ich habe am Anfang von morgens sechs bis abends um sieben mitgearbeitet. Ich war schon als junger Mann auf meine Ziele fokussiert.

 

Frage an Frau Meiser: Sie haben Ihren Mann und dann auch Ihre Söhne mit einem Unternehmen teilen müssen. Wie war das für Sie, wie haben Sie es dennoch geschafft, eine Familie zu führen?

Ursula Meiser: Ich habe gleich gesehen, dass mein Mann etwas aufbauen wollte. Dann habe ich mir überlegt, wie ich dabei mitwirken kann. So habe ich mich um die Kinder gekümmert, die Familie organisiert und meinen Mann unterstützt. Das ist mir nicht schwer gefallen, ich war von vorne herein darauf eingestellt. Und von Samstagmittag bis Sonntagabend war er immer für die Familie da. Er hat mir auch immer gerne darüber berichtet, was ihn im Unternehmen beschäftigt hat. So wusste ich immer, was in der Firma los war. Für uns war es sehr schön, dass Wolfgang und Ulrich schon früh so großes Interesse am Unternehmen gezeigt haben. Wie alle drei den Übergang jetzt gestalten, das ist vorbildlich. Mein Mann lässt unseren Söhnen freie Hand. Und da er immer noch arbeitet, habe ich selbst auch genügend Zeit und Raum für mich, worum mich einige Freundinnen beneiden.

 

Bei MEISER vollzieht sich gerade ein Generationswechsel. Was geben Sie der nächsten Generation mit auf den Weg?

Edmund Meiser: Es gibt keine Probleme beim Übergang, das geschieht reibungslos. Was ich ihnen mitgebe? Vorbild sein. Außerdem sind wir sind praktizierende Katholiken, das ist unser Wertegerüst, die Grundlage unseres Handelns, auch unseres sozialen Engagements. Wir hängen das nicht an die große Glocke, und Schlagzeilen oder einer übermäßige Wahrnehmung in den Medien sind für uns nicht wichtig.

 

Was wünschen Sie sich für die Zukunft? Welche Pläne haben Sie noch?

Edmund Meiser: Ein paar Jahre darf es gerne noch so weitergehen. Dass wir beide gesund bleiben, ist das Wichtigste. Die Nachfolge ist geregelt, die finanzielle Basis ist solide – wir haben das Geld, das wir im Unternehmen verdient haben, immer ins Unternehmen investiert. Wir haben ja eine große Verantwortung für alle, die hier arbeiten. Unsere Mitarbeiter sollen stets wissen, dass sie eine sichere Zukunft bei MEISER haben. Ich habe schon noch ein paar Pläne in der Schublade. Es steht eine große Investition in Oelsnitz an. Aber um alles umzusetzen, müssen wir in Zukunft deutlich stärker außerhalb unserer Grenzen Mitarbeiter anwerben.

Ursula Meiser: Ich wünsche mir mit meinem Mann und meiner Familie noch viele harmonische Jahre. Ich möchte meinen Mann weiter unterstützen und mich um die 15 Enkelkinder kümmern. Daneben liegt mir unsere Statio Dominus sehr am Herzen, die Glauben und Kunst in wunderbarer Weise verbindet.