Geschichten zur Entwicklung

Interview

Sie sind beide viele Jahrzehnte im Unternehmen und mit MEISER gewachsen. Was waren entscheidende Wegmarken?

Erich Petry: Ich habe 1970 bei MEISER angefangen und bin nach der Lehre  in den Vertrieb gegangen. Das erste Highlight war die Einweihung einer neuen Produktionshalle im Jahr 1984. Ein weiterer Höhepunkt war 1990/91 die Wiedervereinigung und der darauf folgende sukzessive Ausbau von Oelsnitz als Standort von MEISER. Das Besondere war, immer mitzuwachsen. Mit jedem Ausbau der Kapazität waren wir bald schon wieder zu klein. Daher gab es bei MEISER in jeder Phase immer viel zu gestalten. Hier aktiv dabei gewesen zu sein und noch dabei zu sein, ist sehr erfüllend.

Achim Rivinius: Ich habe eine sehr frühe Bindung an MEISER. Als Kinder haben wir auf den Betonstahlmatten geturnt, die MEISER hergestellt hat. Auf dem damals kleinen Betriebsgelände fühlten wir uns wie auf einem Abenteuerspielplatz. Es war daher fast logisch, dass ich zu MEISER ging. Damals waren wir 20 Leute. Geprägt hat mich zunächst die Zeit im Einkauf, wo ich gelernt habe, dass der Gewinn bei der Weiterverarbeitung entscheidend vom Einkaufspreis abhängt. Die Einführung unserer ersten EDV-Anlage im Jahre 1981 war ein besonderes Erlebnis und eröffnete uns neue Möglichkeiten, das Wachstum besser zu organisieren. Von 1985 bis Anfang der 90er-Jahre war ich im Verkauf von Stahl tätig. Expansion und neue Produkte eröffneten mir immer wieder neue und interessante Möglichkeiten. Das große Vertrauen der Unternehmensführung gab mir den Freiraum, diese Möglichkeiten zu nutzen und weiterzuentwickeln.

 

Der Gitterrost wurde in den 1970ern und 1980ern immer stärker in den Fokus gerückt. Wie kam es dazu?

Erich Petry: Der Einsatz von Gitterrosten in vielen Bereichen der Industrie nahm damals stetig zu. Wir haben uns auch Wettbewerber in Deutschland angesehen und Übernahmen gewagt, obwohl wir noch ein relativ kleiner Betrieb waren. Mut und Angriffslust gehörten immer dazu. Der Vertrieb lief Ende der 1970er Jahre viel über Handelsunternehmen wie Teichmann in Nürnberg oder Jäger in Olpe.

Achim Rivinius: Wir waren zunächst regional tätig. Unsere Kunden waren überwiegend Schlosser und Stahlbauer. Dann haben wir über das Saarland hinausgeschaut – und unser erster großer Kunde war Bayer in Leverkusen. 1986 haben wir unseren ersten Katalog erstellt. Damals entstand auch das be­rühmte MEISER-Logo, die Gitterrost-Raute. Dazu hatte ich Flacheisen polie­ren und in Stücke schneiden lassen, und mit den einzelnen Elementen wurde so lange gespielt, bis unser Logo stand. Neben der Gitterrostproduktion waren Handel und Weiterverarbeitung von Stahl das zweite Standbein von MEISER. Zeitweise haben wir uns auch mit der Aufbereitung von Alt­blechen beschäftigt.

 

Die Wertschöpfungskette wurde dann immer weiter ausgebaut. Was sind da die Eckpunkte?

Erich Petry: Schon früh hatten wir das Ziel, alle Prozesse bei der Herstellung im eigenen Haus abzubilden. So haben wir in den 70er und 80er Jahren Spaltanlagen und Kaltwalzwerke angeschafft, um unabhängig zu sein. Vom Ausgangsprodukt Stahl bis zum fertig verzinkten Gitterrost bleibt somit alles in einer Hand, in unserer Hand. So waren wir immer flexibel und konnten den Wünschen unserer Kunden gerecht werden.  Das bedeutete natürlich oft große Investitionen und ein starkes Vertrauen in die Zukunft. Das hatten wir auch tatsächlich. Die Investitionen in die Wertschöpfung haben uns dann auch andere Märkte erschlossen, teilweise auch gänzlich neue Produktideen hervorgebracht. 

Achim Rivinius: Gitterroste waren stets unser Hauptprodukt, der schnell wachsende Markt kam uns entgegen. Die Stahlbearbeitung lief immer parallel, half aber entscheidend mit, uns zu diversifizieren. Der Stahlhandel entwickelte sich neben dem Gitterrostgeschäft immer stärker. Eingekauft haben wir weltweit, weiterverkauft haben wir die Produkte unter anderem in die Schweiz und an Handelspartner in Deutschland. Wir sind im Prinzip mit jedem Auftrag ein Stück gewachsen.

Neue Technik und bessere Produktionsmöglichkeiten haben uns immer inter­essiert. Wenn eine neue Maschine nötig wurde, um einen Auftrag effi­zienter auszuführen, haben wir die Investition meistens gemacht.

 

Sie haben MEISER viele Jahre mit geprägt. Was unterscheidet MEISER als Familienunternehmen von anderen?

Erich Petry: Es gab immer große finanzielle Stabilität. Das ist die eine Basis. Der Weitblick von Edmund Meiser und seine Entscheidungsfreude waren die anderen Grundlagen. Das persönliche Verhältnis untereinander ist immer von tiefem Vertrauen und von Loyalität geprägt. Und besonders stolz bin ich auf die stets hohe Qualität des Hauses. Das persönliche Engagement eines jeden Mitarbeiters ist hier besonders ausgeprägt

Achim Rivinius: Immer wenn wir eine Entscheidung gebraucht haben, wurde die schnell getroffen. Edmund Meiser hatte stets eine klare Vorstellung von den Auswirkungen einer Entscheidung. Auch der ländliche Standort in Limbach spielt eine wichtige Rolle. Die Firma MEISER fühlt sich für ihre Mitarbeiter verantwortlich. Das schafft eine enge Bindung zur gesamten Belegschaft, die überwiegend aus der unmittelbaren Umgebung stammt. Die lokale Verwurzelung als Ausgangspunkt hat immer für Bodenständigkeit und Augenmaß gesorgt.

 

Wie sehen Sie den Generationswandel bei MEISER?

Erich Petry: Es läuft alles sehr lautlos. Das heißt nicht, dass nicht diskutiert wird – intern, aber sachlich und zielorientiert. Der große Vorteil von MEISER ist die Unternehmenskultur, die Edmund Meiser etabliert hat und die er an seine Söhne weitergibt.

Achim Rivinius: Alle, die in der Verantwortung stehen, respektieren und schätzen sich. Die Mitglieder der Familie und die Geschäftsführung harmonieren sehr gut. Neben Fachkompetenz sind ein menschlicher und korrekter Umgang sehr wichtig. Das Unternehmen ist heute so groß, dass man ein kompetentes Team braucht, das sich um alles kümmert. Edmund Meiser und seine Söhne haben ein gutes Gespür bei der Suche nach Führungskräften bewiesen.

Interview

Wie fing damals alles an und wie kam es 1990 zu den ersten Kontakten mit MEISER?

Frank Degenkolb: Wir stammen beide aus dem MLK Plauen, ein Betrieb mit insgesamt 6.000 Mitarbeitern. Die Treuhandanstalt verkaufte die vier Teile der Firma – der kleinste mit 54 Mann ging an MEISER. Die ersten Kontakte zu MEISER kamen über die IHK zustande.

 

Wann haben Sie Edmund Meiser kennengelernt?

Frank Degenkolb: Das war im November 1990. Es war ein ganz spannendes Erlebnis. Der technische Direktor meiner damaligen Firma, Dr. Degenkolb, sagte mir, geh zu MEISER. Ich musste mich innerhalb von fünf Minuten entscheiden. Das war die beste Entscheidung meines Lebens. Aber das konnte ich 1990 noch nicht wissen.

Dietmar Prätorius: Wir, die wir aus einer sozialistischen Weltanschauung kommen, waren plötzlich mit dem großen Vertrauen von Edmund Meiser ausgestattet. Wir haben damals echte Pionierarbeit geleistet – unter Umständen, die sich heute keiner mehr vorstellen kann. Es gab nur eine Telefonnummer, die natürlich immer besetzt war – sehr zum Ärger von Edmund Meiser. Dann kam das erste Handy, ein riesiger Kasten, mit dem wir auf die Höhe zwischen Kriechwitz und Plauen gefahren sind, um überhaupt Kontakt zu einem Netz zu bekommen. Ja, wir waren viel unterwegs damals – und lange, denn eine Infrastruktur existierte hier ja noch nicht. Oft sind wir um 3 Uhr morgens nach Limbach aufgebrochen und kamen erst nach Mitternacht zurück.

 

Die MEISER Gitterroste GmbH & Co KG können schon bald die ersten Gitterroste ausliefern. Und es lief so gut, dass das Werk schon nach kurzer Zeit zu klein ist. Wie ging es dann weiter?

Dietmar Prätorius: Wir haben zunächst mit den alten Betriebsteilen die Gitterrostproduktion in den leeren Hallen in Plauen aufgebaut. Die Erstausrüstung mit Maschinen kam aus Limbach. Mit Datum 1. Februar 1991 wurde die Firma gegründet und am 2. Mai 1991 haben wir die ersten Produkte ausgeliefert. Wir haben gleich gesehen, dass die Betriebsstätte zu klein sein wird, und analog zu MEISER im ländlichen Umfeld gesucht. Das Industriegebiet Johannisberg in Oelsnitz war im Entstehen begriffen und die damalige Oberbürgermeisterin Eva-Maria Möbius hat sich sehr um MEISER bemüht. Wir haben ihr viel zu verdanken, leider ist sie vor 3 Jahren an Krebs verstorben. 

Frank Degenkolb: Wir haben damals schon gleich 200-250 Tonnen im Monat produziert. In Oelsnitz haben wir dann eine Halle gebaut, die auf 600 Tonnen im Monat ausgelegt war. Am 7. Oktober 1994 starteten wir mit der Produktion in der neuen Halle. Während des Baus haben wir natürlich weiter produziert.

Dietmar Prätorius: Danach ging es in mehreren Schritten voran. Dabei sind alle Maschinen hier im Werk selbst gebaut worden, denn das war ja das Know-how der Kernmannschaft aus den 54 Mitarbeitern, die damals mit MEISER gestartet waren. 1997 haben Ulrich und Wolfgang Meiser die uwM Stahlbearbeitung gegründet, mit eigenen Spaltanlagen und Profilierstraßen zur Herstellung von Weinbergpfählen.1999 kam die uwM Stanztechnik mit der Schweißpressrostfertigung dazu. Gleichzeitig haben wir auch ein neues, zentrales Verwaltungsgebäude gebaut.

 

Wie steht der Standort heute da?

Dietmar Prätorius: Ich sehe ihn als gleichberechtigt neben dem Standort Saarland an, mit ähnlich vielen Beschäftigten und unterschiedlichen Sparten. In Oelsnitz ist der Treppenbau konzentriert, dazu kommen die Blechprofilrostfertigung und die Produktalternativen, die zur Diversifizierung beitragen, wie unsere Weinbergpfähle.

 

Welche Märkte bedienen Sie von hier?

Dietmar Prätorius: Eigentlich folgt die Trennung der Vertriebsgebiete der ehemaligen Zonengrenze, Bayern gehört noch zu Oelsnitz, wir betreuen die östliche Sphäre Europas und Skandinavien. Die Weltmärkte teilen wir uns durch die Diversifizierung. Es ist schon schön zu sehen, dass wir Weinbergpfähle an Weingüter liefern, deren Weine wir zuhause trinken.

 

Was zeichnet Meiser aus Ihrer Sicht aus? Was macht Meiser anders?

Dietmar Prätorius: Die Frage kann ich am besten vom Anfang her beantworten. Die Verbindung zur Familie Meiser war von Beginn an prägend, zu Edmund Meiser und seiner Frau Ursula Meiser zuallererst. Wir sind beide in die Familie integriert worden und haben das große Vertrauen, dass uns geschenkt wurde und die Werte, die die Familie vertritt, als etwas sehr Bereicherndes für unser Leben empfunden. Wir hatten auch immer die Möglichkeit, Entscheidungen zu treffen und mit den eigenen Leuten umzusetzen.

 

Frank Degenkolb: Gegenseitige Achtung und Respekt waren von Anfang an da. Edmund Meiser hat an uns geglaubt. Seine Ziele und sein Unternehmergeist waren für uns ständiger Ansporn. Es war eine unglaubliche Motivation, wodurch wir auch die enorme Belastung ausgehalten haben. Edmund Meiser hat damals nicht nur Fördermittel gesehen, sondern immer auch die Menschen. Es gibt aus dieser Zeit ja genügend negative Beispiele. Letztendlich haben von den ehemals 6.000 Mitarbeitern des MLK Plauen nur 54 eine berufliche Zukunft gefunden, nämlich die, die zu Meiser gegangen sind. Heute arbeiten hier knapp 800 Menschen. Wir sind von MEISER nie als Billigproduzent gesehen oder gar missbraucht worden. Das war ein ehrlicher Aufbau in Oelsnitz – mit dem Ziel, etwas Bleibendes aufzubauen. Edmund Meiser hatte immer die Menschen im Blick.

 

Sie blicken jetzt gemeinsam auf 25 Jahre Erfolgsgeschichte von Meiser im Vogtland zurück. Was bleibt und was erwarten Sie für die Zukunft?

Dietmar Prätorius: Obwohl ich ausgeschieden bin, betreue ich die Firma immer noch in Gedanken. Die Firma ist solide aufgestellt und wird Bestand haben. Dazu trägt auch der gesunde Konkurrenzkampf zwischen dem Saarland und dem Vogtland bei, der immer fördernd war. Die jetzige Größe ist ideal, und die Entscheidungswege sind immer noch kurz.

Frank Degenkolb: Robert Vièl übernimmt jetzt die Leitung. Die zweite Leitungsebene am Standort steht, fast alle sind hier ausgebildet worden, auch im Dualen Studium. Sie alle sind noch jung und hungrig. Wichtig für den Standort ist auch die Diversifizierung. Gitterroste machen nur noch 60 Prozent des Umsatzes aus, neue Produkte werden in Zukunft hinzukommen und diesen Anteil weiter schrumpfen lassen.

 

Herr Degenkolb, Sie übernehmen neue Aufgaben. Welche werden das sein?

Ich werde für MEISER Projekte im In- und Ausland Projekte betreuen. In der Türkei, in Dubai und Südamerika zum Beispiel sind neue Werke entstanden und müssen weiterentwickelt werden. Die Maschinen stammen ja vom Standort Oelsnitz, und ich war immer verantwortlich für den technischen Aufbau, so dass das eine logische Weiterführung ist.

 

Interview

Die Anfänge von MEISER in Ungarn liegen in den 1970er Jahren und in Geschäftsbeziehungen Edmund Meisers zu István Horváth, dem Generaldirektor der Stahlhütte Dunaferr. Wie muss man sich die Anfänge vorstellen?

Es begann Anfang der 1970er-Jahre mit einer Reklamation. Dunaferr lieferte Stahl-Hohlprofile, mit deren Qualität Edmund Meiser nicht zufrieden war. István Horváth reiste nach Limbach, um die Angelegenheit zu bereinigen. Nach der Wende schrieb Edmund Meiser die ungarische Handelskammer an, er brauche Stahl, Gebäude, Arbeiter und eine Verzinkerei in der Nähe. Der Brief landete auf meinem Schreibtisch, da ich Deutsch sprach. Dunaferr lieferte damals Stahl für Kräne an DEMAG in Zweibrücken. So gingen alle Briefe über mich. Dann lud Edmund Meiser István Horváth und mich nach Limbach ein, um zu sehen, welche Vorstellungen MEISER für Ungarn hatte. Als István Horváth und Edmund Meiser sich wiedersahen, war klar, dass Dunaferr der logische Partner für MEISER ist. Man erinnerte sich nicht an die Reklamation, sondern an die menschlichen Gemeinsamkeiten.

 

1992 dann das Joint Venture Ferroste Kft. mit Sitz in Dunaújváros. Was sprach damals für die Gründung?

Alles war da: Stahl, Gebäude, Menschen – es gab nur keinen Markt. MEISER hat uns umfassend unterstützt am Anfang. Durch den Zusammenbruch des Ostblocks gab es keine Möglichkeit, Marktforschung zu betreiben. Aber ohne Markt, wie sollte MEISER dann sechs Millionen DM investieren? Also wollte MEISER mit einem Verkaufsbüro starten und beauftragte mich am 27. Januar 1992 damit, das Büro zu leiten. Am 1. Februar startete ich als Geschäftsführer von Ferroste.

Wie haben sich bzw. haben Sie die Geschäfte dann entwickelt?

Wir haben 1994 in einer kleinen Halle mit dem Zuschnitt von Gitterrosten und der Herstellung von Spindeltreppen begonnen. Jedes Jahr hatten wir 30 bis 50 Prozent Wachstum. 1995 haben wir dann die erste Produktionsstätte für Gitterroste gebaut.

„Ich habe im Auto geschlafen, kann man sagen. Ich habe einen Verkäufer eingestellt und eine Sekretärin.“

Wenn es zunächst keinen Markt gab, woher kamen dann die Kunden?

Ich habe Tag und Nacht gesucht. Ich habe im Auto geschlafen, kann man sagen. Ich habe einen Verkäufer eingestellt und eine Sekretärin. Wir waren ständig unterwegs, wie ein Staubsaugervertreter mit einem Musterkoffer voller Gitterroste. Wir haben in den Gelben Seiten die Konstruktions- und Projektbüros rausgesucht und nacheinander besucht. Gitterroste überhaupt und vor allem in industrieller Qualität waren in Ungarn Mangelware. Der technische Vorsprung von MEISER war unser Vorteil. Es waren erst kleine Aufträge am Anfang – mal 10, manchmal auch bis zu 100 Quadratmeter Fläche. 1996 haben wir mehr Mitarbeiter eingestellt und Zug um Zug die Gitterrostproduktion ausgebaut.

 

2003 der nächste Schritt: Ferroste wird hundert Prozent MEISER. Warum war das wichtig für die weitere Entwicklung?

Dunaferr und Ferroste waren sozusagen auseinander gewachsen, so dass beide nicht mehr zusammenpassten. Dunaferr verkaufte die Anteile, und es war klar, dass wir den Namen MEISER übernehmen wollten. Mit der neuen Kapazität konnten wir nach Rumänien, Bulgarien, Slowenien, in andere Balkan-Länder und auch nach Österreich Kontakte knüpfen und ausbauen.

 

Wie ist die Lage heute und was erwarten Sie für die Zukunft?

Aktuell bauen wir in Rumänien eine eigene Halle, dort machen wir 1,5 Millionen Euro Umsatz. Neue Kontakte wachsen in der Slowakei. 2006 bis 2011 haben wir in Ungarn die Kapazitäten der Gitterrostproduktion mit neuen Pressenstraßen ausgebaut. Unsere Produktpalette wird immer größer, und unsere Kapazitäten müssen wir ständig anpassen. Mit den neuen Anlagen können wir dann alle Gitterroste überdacht lagern. Wir sind immer Schritt für Schritt gewachsen und immer aus eigener Kraft, mit eigenen Mitteln. Darauf bin ich sehr stolz. 2013 haben wir mit der Fertigung von Aluminium-
Gerüsten begonnen, nachdem MEISER sich am Gerüsthersteller ALFIX beteiligt hatte. Im ersten Geschäftsjahr haben wir gleich zwei Millionen Euro Umsatz geschafft.Im ersten Geschäftsjahr haben wir gleich zwei Millionen Euro Umsatz geschafft.

 

Sie haben MEISER in Ungarn viele Jahre geprägt. Was macht aus Ihrer Sicht MEISER zu einem besonderen Unternehmen?

MEISER war als Mutterfirma für uns immer ein Vorbild. Ich war oft in Limbach, mein Mentor war Herr Geib, von dem ich sehr viel gelernt habe. Wir hatten ja keine Vorbilder und Vergleichsmöglichkeiten in Ungarn. Edmund Meiser hat uns kaufmännisch geholfen, immer mit dem Ziel, unabhängig zu sein und eigene Kunden zu finden. Ferroste war nie als Billigproduktion für Deutschland vorgesehen. Unser Markt sieht heute so aus, dass wir 35 Prozent in Ungarn absetzen und den Rest in den angrenzenden Ländern und der EU. Mein Sohn ist jetzt mit mir im Unternehmen als Prokurist. Mittlerweile beschäftigen wir 125 Mitarbeiter. Und 2015 überschreiten wir zum ersten Mal zehn Millionen Euro Umsatz. Eigentlich bin ich in Rente, aber Edmund Meiser möchte, dass ich die Aluminiumproduktion erweitere. Es scheint, er braucht mich noch ein paar Jahre. Wir haben so viel zusammen geschafft, da sollte das auch noch gelingen.

Interview

Haben Sie ein besonderes Verhältnis zu Herrn Edmund Meiser?

Auf jeden Fall. Er ist unser Mentor und unser Vorbild. Der Kontakt zur gesamten Familie Meiser ist sehr intensiv, und es besteht ein starkes gegenseitiges Vertrauen. Der Umzug von Ankara nach Kocaeli wurde in vielen Gesprächen mit Edmund, Ulrich und Wolfgang Meiser vorbereitet. Ein neues Werk ist eben nicht nur ein weiterer Standort, sondern soll auch die Kultur und Philosophie von MEISER widerspiegeln. Ich habe mich in dieser Beziehung sehr oft mit Ulrich Meiser ausgetauscht, durfte aber gleichzeitig auch sehr eigenverantwortlich handeln. Das ist ein Erfolgskonzept, mit dem man langfristig in einem Land Fuß fassen kann. Edmund Meiser gibt mit seinen Söhnen Richtung und Ziele vor, lässt uns vor Ort aber freie Hand.

 

Wie waren die Anfänge von MEISER in der Türkei?

Im Jahr 2006 hat alles mit einem türkischen Partner angefangen. Die Firma Kartal hatte sich mit Herrn Meiser darauf geeinigt, einen Zuschneidebetrieb für Gitterroste aufzubauen; zunächst nicht als eigenständige Firma, sondern innerhalb der Kartal-Unternehmensgruppe. Nach knapp zwei Jahren gemeinsamer Arbeit kam der Entschluss, mit einer eigenständigen Gitterrostfirma weiterzuarbeiten. Ende 2007 war es so weit, das Konzept stand. Ich habe zu der Zeit in Deutschland studiert und die Familie Meiser kennengelernt. So kam ich dazu und bin bei der Gründung 2007 eingestiegen.

 

Sie haben ja recht schnell einen Markt entwickelt. Wie haben Sie das geschafft?

Die Türkei hat den Bedarf für Gitterroste damals nicht gesehen, das Produkt war nicht sehr bekannt, und unter „Rost“ verstand man etwas anderes. Bei unseren ersten Besuchen mussten wir also erst auf das Produkt sowie seine Vorteile und Einsatzmöglichkeiten aufmerksam machen. Das war sehr aufwändig und zeitintensiv. Aber wir haben nach und nach immer mehr Kunden überzeugen können, Gitterroste einzusetzen. Und jeder, der unser Produkt einmal verwendet hat, ist dabei geblieben. So war der Aufbau sehr erfolgreich.

 

Was ist das Besondere am türkischen Markt?

Wir sind ein Land mit viel Entwicklungspotenzial. Wir haben eine blühende Bauwirtschaft, Chemie- und Kraftwerke werden gebaut – da gibt es einen riesi­gen Bedarf für Stahlkonstruktionen und Gitterroste, insbesondere Schweiß­pressroste, da der Pressrost bis jetzt noch weitgehend unbekannt ist. Türkische Stahlbauer sind auch im Ausland sehr gefragt, große Aufträge kommen aus der ganzen Welt, und wir sind als Partner oft dabei.

 

Welche Märkte können Sie von der Türkei aus für MEISER erschließen?

Hauptsächlich sind wir zuständig für die Türkei und die sie umgebenden Länder und Länder wie Turkmenistan und Kasachstan. In diesen Regionen wird stark in die Infrastruktur investiert, die Ölindustrie und die Chemiebranche sind weitere große Abnehmer für Gitterroste.

MEISER hält seit 2013 alle Anteile. Wie wichtig ist das für den weiteren Weg?

Das war ein wichtiger Schritt für die Weiterentwicklung der Firma. MEISER kann seine Ideen als eigenständiges Unternehmen schneller und einfacher umsetzen. Wir haben eine neue Infrastruktur und ein neues Werk gebraucht, weil wir so rapide gewachsen sind. Deshalb ist der Umzug nach Istanbul für die Zukunft sehr wichtig. Die MEISER Strategie für die Türkei und unseren Verantwortungsbereich ist so schneller umzusetzen.

Wie ist die Lage heute und was erwarten Sie für die Zukunft?

Der Markt in der Türkei ist gesund und die Wirtschaft wächst stabil. Sicherlich gibt es eine gewisse Verunsicherung durch die Anschläge in jüngster Zeit. Auch rund um die Türkei ist es im Moment sehr unruhig. Deshalb schauen wir immer auch nach neuen Wegen, wenn sich andere verschließen. Wir wissen sehr genau, was wir machen können und was wir nicht machen sollten. Ausgehend von der aktuellen Lage, schauen wir uns neue Märkte an und bewerten sie. So wie sich die Firma entwickelt, bestehen gute Chancen, dass wir weiter erfolgreich sein werden. Das liegt auch daran, dass regelmäßig in die Marke MEISER in der Türkei investiert wurde. Wir möchten langfristige Kundenbeziehungen aufbauen. Wir sind zuverlässiger Partner vor Ort und immer die erste Wahl. So werden wir mit sehr schönen Projekten beauftragt.

 
Würde ein Beitritt zur EU helfen?

Die Türkei hat sich immer wieder nach Europa orientiert. Und wir haben sehr gut ausgebildete junge Menschen, renommierte Universitäten und einen regen internationalen Austausch. Auch das Ausbildungsniveau ist hoch. Unsere Jugend ist sehr neugierig darauf, andere Kulturen kennen zu lernen. So können sie international beruflich erfolgreich sein. Gerade unsere jungen Menschen würden die EU sicher bereichern.

 

Sie kennen MEISER lange. Was macht MEISER aus Ihrer Sicht zu einem besonderen Unternehmen?

MEISER ist ein Familienunternehmen mit einer sehr großen Firmenkultur. Das schätze ich sehr. Man steht immer in Kontakt zur Führungsebene, es ist niemals kompliziert, Entscheidungen zu treffen, und man geht sehr offen und ehrlich miteinander um. Man vertraut mir, hört mir zu und gibt mir die Freiheit, Dinge umzusetzen. Das findet man sonst selten. Wir müssen auch selber wachsen mit der Firma, und MEISER gibt uns an den Standorten die Chance. Diese Art der Zusammenarbeit ist sehr erfolgreich.